puppenMITmacherei :: Herstellung von Kopf und Körper ***und #refugeeswelcome

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Irgendwie kann ich nicht so ganz normal weitermachen. Nachdem was hier passiert und mich schon seit Wochen und vor allem in den letzten Tagen unglaublich berührt hat und schlaflos macht. Ich habe die vielen Flüchtlinge gesehen, die am Wiener #Westbahnhof angekommen sind. So viele Kinder darunter. Ich hab mitgeholfen, sie willkommen zu heißen, gemeinsam mit so vielen anderen Menschen, NGOs, der Polizei, der ÖBB etc. Ich bin auch mit den 20.000 Menschen gegangen, die sich für Menschlichkeit in Österreich einsetzen. Das gibt mir Hoffnung und Zuversicht.

Jetzt ist allerdings auch die Bundespolitik gefragt - also in Wahrheit wären sie seit Wochen, Monaten, Jahren gefragt! Doch es ist nichts passiert, was passieren hätte sollen. Also ich hoffe so sehr und setze mich dafür ein, dass diese unfassbaren, unmenschlichen Zustände endlich ein Ende finden. Wir brauchen endlich legale Wege in die EU, sichere Wege nach Europa. Wir müssen Menschen(leben) retten, die Würde von Frauen und Männern, Kindern und Jugendlichen bewahren!

Wenn ihr noch Infos braucht, wie ihr helfen könnt: SOS Mitmensch informiert hier über die Möglichkeiten in Österreich. Ganz aktuell könnt ihr euch hier bei Refugees Welcome über die Situationen auf den Österreichischen Bahnhöfen und dem Münchner Hauptbahnhof informieren, wo und wie man helfen kann. Über #bloggerfuerfluechtlinge seid ihr sicher schon gestolpert.

Mein Blog ist ja fast ausschließlich ein special interest-Blog, es geht hier fast nur ums Nähen und Stricken. Manchmal auch ein bisschen privates Familiending, manchmal Stoffwindeln (wobei ich da euch da noch ein bissl was schuldig bin ;-) und so halt. Aber manche Themen brauchen einfach hier Platz.


Jetzt wenden wir uns aber einem schönen Thema zu. Einem Thema, das einen die vielen schrecklichen Dinge rund um uns für kurze Zeit vergessen lassen lässt. Auch das darf sein.


Denn heute geht die puppenMITmacherei von Maria von Mariengold und Caro von den Naturkindern weiter. In diesem Monat ist unglaublich viel passiert! Heute möchte ich euch davon berichten - vorweg: Es war zauberhaft!

An einem sehr netten Vormittag haben wir es uns auf der Couch gemütlich gemacht, meine Schwägerin und ich. Jede hatte ihre Puppenmaterialien dabei, das Mitzi-E-Book war ausgedruckt, Kaffee, Wasser und Obst standen bereit und wir konnten starten.


Den Anfang machte der Kopf, wir wickelten die Schafwolle, überzogen die enstehenden Köpfe mit dem Mullschlauch, nähten das Verbindungsstück zum Körper zu... 


Der Puppenmacherknoten war schnell gelernt und das Abbinden konnte beginnen. 


Es war so erstaunlich, wie schnell so ein Puppenkopf Form annimmt und wie berührend das ist! Zu sehen, dass da ein Wesen entsteht, ganz magisch irgendwie. Eine Freundin hat mir vom "wahnsinnigen Glücksgefühl" erzählt, das sie da begleitete - und ich finde ihre Worte unglaublich treffend! Und es ist schön, mit meiner Schwägerin zu werkeln! Das macht es noch toller, das Puppenmachen, glaub ich! Wir haben auch sehr schnell festgestellt, dass das wohl nicht unsere letzte Puppe sein wird!


Hier habe ich den Kopf schon mit dem Trikot überzogen. Die marzipanfarbene Haut gefällt mir sehr gut, in gedehntem Zustand noch besser, auch die strohblonden Haare passen so wirklich gut dazu! 



Ach, ich muss einfach so viele Fotos mit euch teilen! Dieses Gesicht! Das entzückende Profil! Der runde Hinterkopf! Ich komme aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus! Ich musste den Puppenkopf heute Nachmittag auch recht oft aus dem Sackerl rausnehmen und bewundern! ;)


Jetzt noch das Trikot oben festnähen... 


... das schaut von oben dann so aus!


Und so von hinten!



Und ich konnte nicht widerstehen, ein paar Stecknadeln anzubringen. Mein Herz ist bei diesem Anblick gehüpft vor Freude! :)


Die anderen, mit der Nähmaschine genähten Teile liegen ja schon seit dem letzten Treffen bereit.


 Die Stopfutensilien auch - und wir schreiten weiter zum Körper.


Zuerst kamen die Arme dran. Ich hatte die Befürchtung, dass die Arme knubbelig werden könnten, meine Schwägerin fürchtete, dass die Naht reissen könnte. Nichts trat ein. Natürlich könnten die Gleidmaßen ebenmäßiger sein, das macht bestimmt die Übung, aber es ist uns doch ganz gut gelungen, wie wir meinen! Also ... zuerst die Arme, dann die Beine ausstopfen. Füße hochnähen und dann die Schritt-Naht nähen. Das hat uns vor so manche Herausforderung gestellt. Als "erfahrene Näherinnen" würden wir uns auf jeden Fall bezeichnen, meine Schwägerin ist Schneidermeisterin, aber die Schrittnaht haben wir mit der Nähmaschine einfach nicht gut hinbekommen. Also mit der Hand genäht und auch nicht perfekt, denn nicht gerade, sondern im Bogen. Vielleicht haben wir die Beine zu fest ausgestopft? Hm...


 Dann hieß es, die Arme an den Körper zu nähen.



Und danach stopften wir den Bauch aus. Auch eine Herausforderung, die Rolle nicht so groß zu wickeln, damit der Kopf noch dranmontiert werden kann, also diese Verlängerung da noch rein passt! Da haben wir ziemlich lang herumgetüftelt! 


Es aber schließlich beide auf unterschiedlichen Wegen doch ganz gut hinbekommen. Der Bauch meiner Puppe ist mir ein bisschen zu weich geworden, im Vergleich zu den anderen Puppenteilen. Aber ich habs nicht besser geschafft. 


Erste Schulternaht, dann den Kopf annähen, dann den Oberkörper fertig stopfen und dann:


Die letzte Naht!

Und so schauen sie nun aus, unsere zwei Puppen!! Die meiner Schwägerin ist links, meine rechts. Und wir waren nicht nur unglaublich verzückt, nein, auch sehr erstaunt. Schauen doch unsere Puppen jeweils unseren Söhnen so gleich! Ich mein, wir haben beide nach der selben Anleitung, mit dem gleichen Material gearbeitet, und trotzdem schauen diese beiden Puppen sowas von unterschiedlich aus! Und eben nicht nur unterschiedlich, sondern auch noch unseren Buben ähnlich! Faszinierend, oder? Wir haben uns natürlich gleich gefragt, wie das bei weiteren Puppen so sein wird ;-) Bei Isipopisi habe ich danach gelesen, dass bei den Puppen ihrer Mama ganz klar diese eine Handschrift zu erkennen ist. Na ich bin gespannt!


Aber erstmal noch ein paar Fotos von den entstandenen Mitzi-Puppen!



Hach, die Puppenmacherei ist schon eine wundervolle Tätigkeit! Und es ist echt schön, gemeinsam zu arbeiten und wir haben gerade das Glück, dass wir zwei Vormittage die Woche damit gemeinsam verbringen können! Schön, schön!




Was bisher geschah:

Kommentare :

Meeresrauschen hat gesagt…

Liebe Selina, mir geht es ganz genauso wie dir. Mindestens einmal am Tag laufen mir die Tränen über die Wangen, wenn ich am Bildschirm sitze. Und ganz oft frage ich mich "Wie kann ich nur ein T-Shirt posten, wenn so etwas um mich herum passiert". Es ist toll, wie du geholfen hast. Ich habe in meiner Stadt in der Zeltstadt geholfen und war auch betroffen, wie viele Familien, Kinder und Schwangere dabei sind. Ich fühle mich ein bisschen hilflos und würde gerne mehr tun.
Und wenn ich die Zäune in Ungarn sehe, den scharfen Stacheldraht, dann blitzt es durch meinen Kopf "Das ist gegen MENSCHEN." Unbeschreiblich.
Aber nun zum schönen Thema. Den Puppenkopf aus Trikot vorzunehmen, finde ich sehr clever. Beim mir ging das Trikotdrüberziehen ziemlich schwer und ich werde es beim nächsten Mal wohl auch vornähen. Dass die Schrittnaht nicht gerade, sondern im Bogen ist, stelle ich mir als Vorteil vor. So kann die Puppe bestimmt besser sitzen oder?
Supersüß sind sie geworden. Es ist wirklich erstaunlich, wie man so eine Puppe formen kann. Ich hab meinen Puppenkopf auch ganz oft verliebt angeguckt (ihm die Worte "Hallo Baby" zugeflüßtert) und meinem Mann gezeigt. Auch Arme und Beine sind richtig schön.
Viel Spaß beim Weitermachen und liebe Grüße,
Kathrin

Schäfchen hat gesagt…

In unser Dorf kommen demnächst Flüchtlinge. So froh ich bin, dass wir die Augen nicht verschließen, so viel Angst hab ich auch. Vor Bränden, vor Übergriffen, um unsere Kinder ...

Eure Puppen sind schön geworden und ja, ich habe die Erfahrung mit den Unterschieden auch gemacht. Damals, als ich das erste Mal nähte - für meine Töchter. Gleiche Vorlage, gleiche Arbeitsabläufe und doch zwei völlig verschiedene Puppen so wie die Mädchen völlig verschieden sind.

Ich finde die Bogennaht an den Beinen sogar recht clever. Wie kathrin vermute ich nämlich, dass man die Puppen damit viel besser hinsetzen kann.

Liebe Grüße
Andrea

Nat hat gesagt…

Liebe Selina,
ein ganz toller Beitrag. Gerade auch der Anfang zu der politischen Situation. Leider leben wir in keiner perfekten Welt und es gibt immernoch so viel Leid und Ungerechtigkeit überall.
Schön tatsächlich, sich auch kurz ablenken lassen zu können von soetwas allumfassend schönen und friedvollem wie Puppen (machen).
Eure Puppen sind wirklich allerliebst. Aber mit Marias Anleitung kann ja auch nichts schiefgehen. Schön auch, dass du so ausführlich und mit vielen Fotos berichtet hast. :) Freu mich schon zu sehen, wie die Puppen weiter "wachsen"...
Herzlichst
Nat

Barbara Gröger hat gesagt…

Liebe Selina,

du und deine Schwägerin habt ja wirklich toll gearbeitet. Ich finde es wirklich unglaublich, dass ihr (und auch andere) sich alleine an ihre erste Puppe heranwagen. Ich habe das vor Jahren in einem Puppennähkurs gelernt und war froh, dass ich einen Ansprechpartner hatte. Echt großen Respekt!
Toll sehen die beiden aus! Und das was du auch schreibst darüber, dass beide Puppen unterschiedlich sind, obwohl sie nach der gleichen Anleitung genäht wurden, das ist immer faszinierend, gelle?!

Also liebe Grüße und weiterhin gutes Gelingen!

Barbara

Blumenkinder-Werkstatt hat gesagt…

Liebe Selina,
Allerliebst sehen sie aus eure beiden Puppenkinder.
Eine und dieselbe Anleitung, zwei Näherinnen und zwei unterschiedliche Puppen entstehen es ist immer wieder schön und spannend zu sehen. Wir haben halt Bilder im inneren Auge und durch das Handarbeiten tritt es wieder zutage.
Schön das du den Flüchtlingen wenigstens ein wenig helfen konntest, wenn jeder ein wenig Hilft wird es in der Masse ganz viel. Auch bei uns in Schweden kommen viele Menschen an die Hilfe brauchen. Es beruhigt wenn man etwas helfen kann.
Ich wünsche dir und deiner Schwägerin ein erholsames fröhliches Weiternähen.
LG Imke

mme ulma hat gesagt…

danke für den platz für die dinge, die letzten endes wirklich zählen.

mei123abc hat gesagt…

Ja, so ein Puppenköpfchen ist wirklich sehr berührend.

Liebe Grüße
mei

19nullsieben hat gesagt…

Liebe Andrea (Schäfchen),
ich kann verstehen, dass man Angst hat, bei allem was man so über die Menschen auf der Flucht hört. Bei allen Falschmeldungen, die verbreitet werden, mit welchen Intentionen auch immer. Allerdings sind das Menschen, Menschen die in ihrer Heimat Angst um ihre Familie, ihre Kinder, ihr Leben hatte und sich auf den ungewissen, gefährlichen Weg der Flucht begeben haben. Menschen, die sich bei uns Frieden und einen Platz zum Leben erhoffen, und den wir ihnen geben müssen, davon bin ich überzeugt!

Ich bin mir sicher, dass sich deine anfängliche Skepsis legt, wenn du erstmal mit den Menschen gesprochen hast, die in euer Dorf kommen, sie ein wenig kennen gelernt hast! Dann wirst du sehen, dass das nette, höfliche, sympatische, interessierte Frauen, Männer, Kinder und Jugendliche sind. Menschen, mit denen man gut auskommen kann, mit denen sich vielleicht schöne Freundschaften entwickeln, von denen man lernen kann und die von uns lernen können, gemeinsam!

Ich wünsche dir viele schöne, berührende Erfahrungen in nächster Zeit!
Alles Liebe, Selina